Aus welcher Richtung weht der Wind?

Regula Kuhn-Somm

Verwaltungsratspräsidentin
TRINAMO AG

Liebe Leserinnen und Leser

Gegen Ende des vergangenen Jahres sind die Erwerbslosenzahlen erneut gestiegen – dies trotz anhaltendem Fach- und Arbeitskräftemangel. Der Arbeitsmarkt präsentiert sich in einer paradoxen Situation: Mangel und Arbeitslosigkeit bestehen gleichzeitig.

Als Sozialunternehmen im Bereich der beruflichen und sozialen Integration verstehen wir uns als Seismografen gesellschaftlicher Entwicklungen. Veränderungen der wirtschaftlichen Lage nehmen wir früh wahr. Wir erkennen rasch, welche Branchen und Bevölkerungsgruppen besonders stark und unmittelbar betroffen sind. Derzeit ist der Wind wechselhaft. Seine Richtung ändert sich häufig und in raschem Takt. Das verlangt von Integrationsmassnahmen eine hohe Dynamik sowie schnelle und flexible Reaktionen. Sowohl wir als Sozialunternehmen, als auch die Politik, sind gefordert, agil zu handeln. Langwierige Planungs- und Entscheidungsprozesse werden diesem Tempo nicht mehr gerecht.

In unserer Vision verpflichten wir uns, gesellschaftliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und aktiv mitzugestalten. Wir wollen nicht nur reagieren, sondern Lösungen mitentwickeln. Lösungen, die Menschen befähigen, ihr Potenzial einzubringen – und damit zur Stabilität und Resilienz unserer Zivilgesellschaft beitragen.

Im vergangenen Jahr haben wir unsere Agilität, Professionalität und Innovationskraft wiederum unter Beweis gestellt. Einen besonderen Schwerpunkt legten wir auf die Ausbildung unserer Lernenden. Mit Geduld, hoher Fachkompetenz und der richtigen Balance zwischen Fordern und Fördern engagieren sich unsere Mitarbeitenden für deren Ausbildungsziele. Gelingt der Berufseinstieg – selbst mit einem schweren Rucksack –, stärkt dies nicht nur die individuelle Biografie, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Dank unseres neuen Geschäftsleiters und der dynamischen Geschäftsleitung konnten wir die Kontinuität in unseren Aufträgen gewährleisten. Diese Verlässlichkeit schafft Vertrauen bei unseren Partnern, Mitarbeitenden und Teilnehmenden.

Im Namen des Verwaltungsrates danke ich unseren Partnern aus Kanton, Gemeinden und der Wirtschaft herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit. Integration gelingt nur im Zusammenspiel aller Akteure. Ebenso gilt mein Dank unseren Mitarbeitenden und der Geschäftsleitung für ihr engagiertes Wirken in einem sich rasant wandelnden Umfeld der TRINAMO AG.

Den Teilnehmenden unserer Projekte wünsche ich Mut, Ausdauer und Vertrauen in ihre eigenen Stärken. Ihre Schritte in Richtung berufliche Selbstständigkeit sind zugleich Schritte für eine solidarische und zukunftsfähige Gesellschaft.

Wir bleiben auf Kurs!

Daniel Ziegler

Geschäftsleiter
TRINAMO AG

Das vergangene Jahr war geprägt von viel Bewegung und zugleich von verlässlicher Kontinuität – für mich persönlich ein Jahr des Ankommens. Wir agieren in einem komplexen Umfeld: Veränderungen in der Arbeitswelt, in der Sozial- und Integrationspolitik sowie bei unseren zuweisenden Stellen und Kund*innen prägen unseren Alltag.

Berufliche und soziale Integration

 

Unsere Angebote der beruflichen und sozialen Integration bilden das Herzstück unserer Tätigkeit. In unterschiedlichen Programmen begleiten wir Menschen mit vielfältigen Voraussetzungen – von jungen Erwachsenen über Stellensuchende bis hin zu Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Dabei geht unser Anspruch über das reine Bereitstellen von Einsatzplätzen hinaus: Wir wollen echte Perspektiven eröffnen.

Arbeitsmarktnahe Trainingssettings, individuelle Coachings, gezielte Bildungselemente sowie die enge Zusammenarbeit mit Partnern wie den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), der Invalidenversicherung (IV) und den Sozialdiensten der Gemeinden bilden die Grundlage unserer Arbeit. Rückmeldungen bestätigen die Wirksamkeit dieser Kombination – auch unter zunehmend anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Die hohe Auslastung im vergangenen Jahr unterstreicht die Relevanz unserer Leistungen.

Besonders gefreut haben mich die vielen Erfolgsgeschichten sowie der erste Mitarbeiter, den wir im Rahmen der Subjektfinanzierung an einem angepassten Arbeitsplatz begrüssen durften.

Betriebe

Unsere Betriebe sind mehr als Produktions- und Dienstleistungsorte: Sie sind Lern- und Arbeitsorte, an denen wirtschaftliche Leistung und sozialer Auftrag eng verbunden sind. Diese Verbindung bleibt unser zentrales Erfolgsprinzip.

Im Zuge einer notwendigen Konsolidierung im Bereich Hotel und Gastronomie haben wir unsere Standorte in Möhlin und Gebenstorf geschlossen. Dieser Schritt fiel uns nicht leicht, war jedoch wichtig, um Ressourcen gezielt einzusetzen. Erfreulich ist die Entwicklung unserer Velowerkstatt Bikes2Go am neuen Standort in Aarau. Die Abteilung Grafik & Web konnte neue Büroräumlichkeiten beziehen, die ein inspirierendes Umfeld für kreative Arbeit bieten. Für das begleitete Wohnen wurde ein neues Konzept erarbeitet, dessen Umsetzung wir mit Zuversicht angehen.

Auch der Standort Wohlen hat sich positiv entwickelt und bleibt ein wichtiges Standbein. Mit dem Kostümverleih kam ab Mai 2025 ein neues Tätigkeitsfeld hinzu. Zunehmend an Bedeutung gewinnen zudem unsere Partner*innen aus Industrie und Gewerbe, die einen wichtigen Beitrag zur arbeitsmarktnahen Qualifizierung leisten.

Organisation

Als Organisation stehen wir für Professionalität, Verlässlichkeit und lebenslanges Lernen. Empowerment, klare Prozesse sowie ein wirksames Qualitäts- und Risikomanagement sind zentrale Erfolgsfaktoren. Mit der neu zusammengesetzten Geschäftsleitung haben wir Vision, Leitbild und Werte weiterentwickelt und ein prozessorientiertes Qualitätsmanagementsystem initiiert. Der Aufbau der Funktion Kommunikationsverantwortung stärkt zudem die interne Vernetzung und unsere externe Positionierung.

Finanziell bewegen wir uns – wie viele Sozialunternehmen – im Spannungsfeld zwischen steigenden Anforderungen und begrenzten Ressourcen. Umso wichtiger ist ein sorgfältiger und transparenter Umgang mit unseren Mitteln. Die Jahresrechnung zeigt, dass wir gezielt in unsere Zukunft investieren und den Fokus konsequent auf die Wirksamkeit unserer Angebote richten.

Ich erlebe täglich, mit wie viel Engagement und Professionalität unsere Mitarbeitenden arbeiten. Mit Fachwissen, Herzblut und Verantwortungsbewusstsein tragen sie wesentlich zu unserer Wirkung bei – ein zentraler Erfolgsfaktor unserer Unternehmenskultur. Wer uns besucht, erkennt schnell: Vielfalt und unser Credo der «Normalität» werden bei uns gelebt – ergänzt durch Pragmatismus.

Ich danke allen Mitarbeitenden, Fach- und Führungskräften, dem Verwaltungsrat, unseren Kund*innen sowie unseren Partner*innen der zuweisenden Behörden für das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Ein besonderer Dank gilt der Geschäftsleitung sowie Regula Kuhn-Somm für ihre wertvolle Unterstützung und die konstruktive Zusammenarbeit.

Mein erstes Jahr als Geschäftsleiter war intensiv und bereichernd. In einem dynamischen Umfeld Orientierung zu finden und gleichzeitig voranzugehen, war nicht immer einfach, aber stets getragen von einem starken Miteinander. Unser Wertekompass gibt dabei Orientierung und Richtung – besonders in anspruchsvollen Situationen. Ich freue mich darauf, den Weg gemeinsam weiterzugehen. Gemeinsam machen wir die TRINAMO AG zu dem, was sie ist – mit Überzeugung, Sorgfalt und dem klaren Ziel, unseren Integrationsauftrag nachhaltig zu erfüllen.

Unsere Brands

Kennzahlen

Verwaltungsrat Marius Fedeli

Marius Fedeli

Verwaltungsrat

Unsere neuen Verwaltungsräte

Seit Sommer 2025 verstärkt Marius Fedeli und Markus Weber unseren Verwaltungsrat. Beide bringen unterschiedliche Erfahrungen ein und teilen den Anspruch, soziale Wirkung und wirtschaftliche Stabilität strategisch zu verbinden.

Hoi Marius, wer bist du und woher kommst du?

 

Mein Name ist Marius Fedeli und ich komme aus Buchs (AG), wo ich seit meiner Geburt lebe.

Wo verbringst du deine Zeit am liebsten, ausserhalb von Büros und Sitzungszimmern? 

Ich verbringe meine Zeit gerne draussen in der Natur. Früher aktiv in der Pfadi, heute noch als Coach sowie beim Geocaching und Wandern.

Was motivierte dich, Teil unseres Verwaltungsrates zu werden und was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?

Mich motiviert vor allem die Möglichkeit, Verantwortung dort zu übernehmen, wo gesellschaftlicher Mehrwert konkret entsteht. Gereizt hat mich insbesondere die strategische Rolle des Verwaltungsrates: langfristig Weichen zu stellen, Perspektiven zu verbinden und eine Organisation so zu begleiten, dass sie sowohl ihrem sozialen Auftrag als auch den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird.

Welche Erfahrungen und Perspektiven bringst du mit, die unsere Organisation weiterbringen können?

Aus meiner Arbeit in der Pfadi Aargau bringe ich Verständnis für die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen, für die Kommunikation sowie für den Aufbau eines grossen Vereins mit. Dank meiner politischen Arbeit habe ich ein vertieftes Verständnis für öffentliche Strukturen, politische Entscheidungsprozesse und regulatorische Rahmenbedingungen. Mein Hintergrund im Umweltbereich hat mich gelehrt, langfristig, systemisch und nachhaltig zu denken.

Wofür möchtest Du Dich als Verwaltungsrat besonders einsetzen? 

Ich möchte mich besonders für eine klare strategische Ausrichtung, transparente Kommunikation und eine starke Verankerung der Organisation im politischen und gesellschaftlichen Umfeld einsetzen. Wichtig ist mir zudem, dass ökologische Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft gemeinsam gedacht werden.

Verwaltungsrat Markus Weber

Markus Weber

Verwaltungsrat

Hallo Markus. Wer bist Du und woher kommst Du? 

 

Ich bin Markus Weber, wurde 1963 geboren, bin in Lenzburg aufgewachsen und wohne seit rund 25 Jahren zusammen mit meiner Ehefrau Barbara in Gränichen. Unsere vier Töchter sind schon längst erwachsen und stehen auf eigenen Füssen. Beruflich bin ich als Rechtsanwalt mit Praxis in Aarau tätig, hauptsächlich als Fachanwalt SAV Arbeitsrecht. Das Zusammenspiel von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen prägt also bereits meinen beruflichen Alltag ausserhalb der TRINAMO AG.

Wo verbringst du deine Zeit am liebsten, ausserhalb von Büros und Sitzungszimmern?

Am liebsten draussen – mit Wind im Gesicht. Besonders mag ich Wattwanderungen an der Nordsee, wenn sich Himmel und Horizont fast berühren und die Natur ihre eigene Dramaturgie entfaltet. Diese Weite relativiert vieles und schafft Klarheit.

Ebenso gerne streife ich durch Städte – nicht nur als Tourist, sondern als Beobachter gesellschaftlicher Dynamiken: Wie lebt man hier? Was funktioniert? Wo liegen Brüche? Und ganz zentral: Zeit mit meiner grossen Familie. Sie erdet mich, fordert mich heraus und erinnert mich täglich daran, worum es im Kern geht – um Menschen, Beziehungen und Verantwortung füreinander. Abends darf es dann auch ein guter Krimi sein: Ich schätze die gedankliche Schärfe, das Analytische, das Aufdecken verborgener Zusammenhänge. Vielleicht ein kleiner Berufsschaden.

Was motivierte dich, Teil unseres Verwaltungsrates zu werden und was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?

Mich reizt die Schnittstelle zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und unternehmerischem Handeln. Eine Arbeitsintegrationsfirma bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld – und dort entsteht Wirkung. Als Arbeitsrechtler sehe ich täglich, wie entscheidend Arbeit für Würde, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe ist. Verwaltungsrat zu sein, bedeutet für mich, strategische Verantwortung zu übernehmen: Nicht operativ einzugreifen, sondern Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass nachhaltige Integration möglich wird. Mich motiviert besonders, an Strukturen mitzuwirken, die Menschen echte Chancen eröffnen – nicht nur kurzfristige Lösungen.

Welche Erfahrungen und Perspektiven bringst du mit, die unsere Organisation weiterbringen?

Als Fachanwalt für Arbeitsrecht bringe ich vertiefte Kenntnisse in arbeitsrechtlicher Gestaltung, Governance-Fragen und im Umgang mit komplexen Interessenslagen mit. Ich bin es gewohnt, Konflikte strukturiert zu analysieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und tragfähige Lösungen zu entwickeln – stets mit Blick auf Rechtssicherheit und Praktikabilität.

Darüber hinaus befasse ich mich intensiv mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Arbeitsintegration ist nie isoliert zu betrachten – sie ist eingebettet in Sozialpolitik, Bildungspolitik und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Diese gesamtgesellschaftliche Perspektive möchte ich einbringen. Und nicht zuletzt: Ich stelle gerne Fragen. Gute Governance beginnt mit Neugier und konstruktiver Diskussion.

Was bedeutet für dich erfolgreiche berufliche und soziale Integration?

Erfolgreiche Integration bedeutet für mich mehr als eine unterschriebene Arbeitsvertragsurkunde. Sie zeigt sich dann, wenn ein Mensch nicht nur eine Stelle hat, sondern Perspektive, Selbstvertrauen und Zugehörigkeit entwickelt. Wenn Kompetenzen gestärkt werden – fachlich wie sozial. Wenn jemand sagen kann: „Ich werde gebraucht, ich kann etwas beitragen.“ Integration ist kein administrativer Akt, sondern ein Entwicklungsprozess. Erfolgreich ist er dann, wenn er nachhaltig ist.

Als Sozialfirma bewegen wir uns zwischen sozialem Auftrag und wirtschaftlicher Realität.
Wo siehst du dabei die grössten Chancen oder Spannungsfelder?

Das Spannungsfeld ist real – und produktiv, wenn man es bewusst gestaltet. Die grösste Heraus – forderung liegt darin, wirtschaftliche Effizienz nicht gegen soziale Qualität auszuspielen. Kurzfristiger finanzieller Druck kann dazu verleiten, komplexere Integrationswege zu scheuen. Gleichzeitig braucht soziale Arbeit wirtschaftliche Stabilität, um langfristig wirken zu können. Die Chance sehe ich darin, genau hier innovative Modelle zu entwickeln: unternehmerisch denken, ohne den sozialen Kern zu verlieren. Sozialfirmen können zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Ver – antwortung kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken.

Wofür möchtest Du Dich als Verwaltungsrat besonders einsetzen?

Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste: Ich möchte dazu beitragen, dass unsere Organisation wirtschaftlich solide bleibt – und gleichzeitig mutig genug ist, Menschen echte Chancen zu eröffnen. Und persönlich: für eine Kultur der offenen Diskussion im Verwaltungsrat. Unterschiedliche Perspektiven sind kein Risiko, sondern Voraussetzung für kluge Entscheidungen.

Wie siehst du den gesellschaftlichen Wandel und den zunehmenden Spardruck?

Wir befinden uns in einer Phase gesellschaftlichen Wandels. Arbeitsmärkte verändern sich rasant – Digitalisierung, Automatisierung und neue Qualifikationsanforderungen verschieben die Spielregeln. Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Polarisierung und wachsende Unsicherheiten. Nicht alle profitieren gleichermassen von diesen Entwicklungen. Gerade Menschen mit Brüchen im Lebenslauf oder eingeschränkten Ressourcen geraten schneller ins Abseits. Arbeitsintegration wird dadurch anspruchsvoller – und gleichzeitig wichtiger. Hinzu kommt der zunehmende Spardruck im öffentlichen Sektor. Sozialausgaben stehen unter kritischer Beobachtung, Fördermittel werden stärker befristet oder leistungsbezogen gesprochen. Das erhöht den Druck auf Sozialfirmen erheblich: Sie sollen wirksamer, messbarer und kosteneffizienter arbeiten – oft mit weniger Planungssicherheit.

Ich sehe darin zwei Herausforderungen und eine Chance:

  • Herausforderung 1: Kurzfristiges Sparen darf nicht langfristige Folgekosten erzeugen. Wer an Integration spart, zahlt später unter Umständen in Form von Sozialhilfe, Gesundheitskosten oder gesellschaftlicher Fragmentierung.
  • Herausforderung 2: Der Legitimationsdruck steigt. Wirkung muss belegt, Prozesse profes – sionalisiert und Qualität transparent gemacht werden.
  • Chance: Gerade in Zeiten knapper Mittel werden innovative, unternehmerisch geführte Sozial – firmen relevanter. Wer klar aufzeigt, welchen gesellschaftlichen Mehrwert er schafft, wird als verlässlicher Partner wahrgenommen – nicht als Kostenfaktor, sondern als Teil der Lösung.
Für mich bedeutet das: Wir müssen wirtschaftlich diszipliniert handeln, ohne unseren sozialen Kompass zu verlieren. Gute Governance, klare Wirkungs – messung und strategische Partnerschaften sind entscheidend, um in diesem Umfeld handlungs – fähig zu bleiben.

Gesellschaftlicher Wandel und Spardruck sind Realität – aber sie sind auch ein Auftrag, noch präziser, noch verantwortungsvoller und noch wirksamer zu arbeiten.

Mit mehr Lehrstellen in die Zukunft

Die Abteilung Lernende

Luciana Liuzzi (Abteilungsleitung), Urs Hochstrasser, Helene Marti und Phyllis Gautschy (weitere Coaches an unseren Standorten: Jacqueline Widmer, Mylene Dinkel, Yvonne Erb, Sven Vögeli

Unsere Abteilung Lernende begleitet Jugendliche und junge Erwachsene mit gesundheitlichen oder sozialen Belastungen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. Mit individueller Förderung, verlässlichem Coaching und enger Zusammenarbeit mit Schulen, Betrieben, IV und Familien schafft sie Stabilität, stärkt Selbstvertrauen und eröffnet nachhaltige berufliche Perspektiven.

Der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ist für viele Jugendliche eine Herausforderung. Für junge Menschen mit gesundheitlichen oder sozialen Belastungen kann dieser Schritt zu einer kaum überwindbaren Hürde werden. Genau hier setzen wir in der Abteilung Lernende an: Wir unterstützen, begleiten und bauen Brücken zwischen den individuellen Bedürfnissen der Jugendlichen und den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Unsere Begleitung richtet sich nach ihren Möglichkeiten und Zielen und umfasst Jugendliche in PrA-, EBA- oder
EFZ-Ausbildungen.

In einer Zeit, in der Tempo, Flexibilität und Leistungsdruck steigen und psychische Belastungen zunehmen, gewinnt unsere Arbeit zunehmend an Bedeutung. Mit Coaching, enger Begleitung und klar strukturierten Förderangeboten unterstützen wir junge Menschen dabei, eine Ausbildung aufzunehmen, zu stabilisieren oder neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Im Zentrum unserer Arbeit steht der Mensch als Ganzes. Unser Ansatz verbindet fachliche Förderung mit persönlicher Stabilisierung. Wir unterstützen unsere Lernenden dabei, ihre Sozialkompetenzen zu stärken, Selbstvertrauen und eine berufliche Identität aufzubauen sowie alltagspraktische Fähigkeiten, Belastbarkeit und Selbstorganisation zu entwickeln. Durch engmaschiges Coaching und verlässliche Beziehungen schaffen wir Stabilität, helfen bei der Suche nach Praktika und Lehrstellen, vermitteln grundlegende arbeitsrelevante Kompetenzen und greifen frühzeitig ein, wenn Schwierigkeiten entstehen.

Gleichzeitig übernehmen wir eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Schule, Betrieben, IV-Stellen und Familien. Oft sind es genau diese Abstimmungen im Hintergrund, die entscheidend zum Gelingen beitragen. So können Ausbildungsabbrüche verhindert, neue Wege eröffnet und nachhaltige Perspektiven geschaffen werden. Viele junge Menschen, die ohne Unterstützung möglicherweise aus dem System gefallen wären, finden so ihren Platz – beruflich und persönlich.

Unsere Arbeit wirkt auch über die einzelnen Jugendlichen hinaus. Sie trägt dazu bei, Sozial- und IV-Kosten zu reduzieren, Arbeitskräfte zu erhalten, Schulen, Betriebe und Sozialversicherungen zu entlasten und die Chancengleichheit zu stärken. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag im Sinne der IVStrategie «Eingliederung vor Rente».

Unser Alltag bewegt sich im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Anforderungen, sozialpolitischem Auftrag und den individuellen Möglichkeiten der Jugendlichen. Wir sind oft dort tätig, wo andere Systeme an ihre Grenzen kommen, etwa wenn psychische Herausforderungen zunehmen, Betriebe unsicher sind oder Jugendlichen Orientierung und Struktur fehlen. Unsere Erfahrung zeigt immer wieder, dass Integration kein einmaliges Ereignis ist, sondern ein Prozess, der Zeit, Vertrauen und realistische gemeinsame Ziele braucht.

Unser Leitbild zeigt sich im täglichen Handeln: Wir arbeiten ressourcenorientiert, respektvoll und befähigend, professionell und vernetzt sowie transparent mit klaren Zielen und regelmässigen Standortbestimmungen. So schaffen wir Struktur und Orientierung in einem Lebensabschnitt, der entscheidend für die Zukunft ist.

Trotz vieler Erfolge stehen wir vor Herausforderungen wie begrenzten Ressourcen, unterschiedlichen Erwartungen und teilweise geringer Belastbarkeit der Jugendlichen. Gleichzeitig sehen wir grosses Potenzial, etwa in einer noch stärkeren Vernetzung mit Betrieben, früheren Unterstützungsangeboten und einer besseren Abstimmung zwischen Schule, IV und Coaching.

Unser Ziel bleibt klar: Wir sichern Ausbildungswege, stärken junge Menschen und schaffen Perspektiven. So leisten wir Tag für Tag einen nachhaltigen Beitrag zur beruflichen und sozialen Integration und zu einer Gesellschaft, die an Entwicklung glaubt und Potenziale fördert

Kostümverleih Wohlen

Die TRINAMO AG hat im vergangenen Sommer den Kostümverleih Wohlen übernommen und gezielt in den Unternehmensbereich Arbeit und Produktion integriert. Neben der erfolgreichen operativen Eingliederung stand von Beginn weg der soziale Mehrwert im Vordergrund. Durch die rasche Anbindung an bestehende Strukturen konnten Prozesse harmonisiert und gleichzeitig neue, sinnstiftende Arbeitsfelder geschaffen werden. Die Neugestaltung des Lokals sowie der Ausbau des Kostümsortiments tragen nicht nur zur Attraktivität des Angebots bei, sondern ermöglichen auch vielseitige Einsatzmöglichkeiten für unsere Mitarbeitenden und Teilnehmenden. Ergänzend wurde mit dem Angebot eines Krimidinners ein Verleih mit Erlebnischarakter geschaffen, der zusätzliche Tätigkeitsfelder eröffnet und Perspektiven für zukünftige Kooperationen mit Eventplanern bietet. Ein zentrales Ziel der Übernahme war die Schaffung integrativer Arbeitsplätze für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Der Kostümverleih bietet hierfür ein besonders geeignetes Umfeld, da unterschiedliche Fähigkeiten sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt werden können. Rückblickend zeigt sich, dass diese Investition sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich Wirkung entfaltet und einen nachhaltigen Beitrag zur sozialen Integration leistet.
Manfred Bader

Bereichsleiter Arbeit und Produktion

 

TRINAMO AG – und dann?

INTERVIEW. Nach längerer Zeit ohne Arbeit eröffnete sich Roger Rüetschi eine echte Perspektive – über den Sozialen Dienst bei der TRINAMO AG und der Recycling-Firma Stabrax GmbH.

Von Jacqueline Widmer (Standortleitung TRINAMO AG Wohlen)
Roger Rüetschi
Recyclist, Stabrax GmbH Wohlen

Mit welchen Vorstellungen kamst du zur TRINAMO AG?

Mir war wichtig, wieder einen geregelten Alltag zu finden und den Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Die Zeit hier hat mir geholfen, wieder mehr Selbstvertrauen zu gewinnen. Besonders die Zusammenarbeit mit einer externen Firma war für mich ein wichtiger Schritt. Dabei habe ich allerdings auch gemerkt, dass ich den Aufwand der Bürotätigkeiten und die Koordination mit verschiedenen Stellen zunächst unterschätzt hatte.

Wie hast du die Begleitung erlebt?

Ich habe die Begleitung als sehr individuell erlebt. Für mich war es entscheidend, mit einem kleineren Pensum starten zu können und mich Schritt für Schritt zu steigern. Diese Flexibilität hat mir Sicherheit gegeben. Gleichzeitig war ich auch froh um klare Impulse und den nötigen Ansporn, wenn es ihn gebraucht hat.

Was war dein grösster Lerneffekt in dieser Zeit?

Ich habe gemerkt, dass ich wieder leistungsfähig bin. Gleichzeitig habe ich gelernt, wieder offener auf andere Menschen zuzugehen. Das hat mir sowohl beruflich als auch persönlich viel gebracht.

Du hast später auch Aufgaben für eine externe Firma übernommen. Was gehörte dazu?

Im Recycling haben wir Bauabdichtungen hergestellt, verpackt und den gesamten Ablauf mit Abholung und Nachschub organisiert. Mit der Zeit konnte ich immer mehr Verantwortung übernehmen. Als dieser Bereich zur TRINAMO AG verlegt wurde, habe ich mitgeholfen, die Werkstatt passend aufzubauen und andere Mitarbeitende in die Abläufe einzuführen.

Du hast dich inzwischen bei verschiedenen Firmen beworben. Wie ging es weiter?

Ich wurde bei Stabrax GmbH angestellt. Dort arbeite ich im Bereich Feuerlöscher-Recycling. Zu meinen Aufgaben gehören administrative Arbeiten wie Lieferscheine, Offerten, Rechnungen und der Kontakt mit den Kund*innen. Gleichzeitig bin ich auch operativ tätig: Ich nehme angelieferte Feuerlöscher entgegen, zerlege Material und sorge dafür, dass die einzelnen Bestandteile fachgerecht recycelt werden. Zusätzlich unterstütze ich weiterhin punktuell die TRINAMO AG – etwa bei Krankmeldungen, Wochenjournalen oder wenn es im Alltag Fragen von Teilnehmenden oder Coaches gibt. Das zeigt mir, wie viel Vertrauen in meine Arbeit gesetzt wird.

Was möchtest du Menschen mitgeben, die in einer ähnlichen Situation sind?

Einfach vorbeischauen und es bei der TRINAMO AG ausprobieren. Die verschiedenen Werkstätten bieten viele Möglichkeiten – da ist für fast jede Person etwas Passendes dabei.

Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre?

In den nächsten zwei Jahren möchte ich mich weiter stabilisieren und mich beruflich weiterentwickeln. Wenn möglich, möchte ich zusätzliche Verantwortung übernehmen und mir ein gutes, langfristiges Fundament im ersten Arbeitsmarkt aufbauen.

Gibt es etwas, das du zum Schluss noch sagen möchtest?

Diese Chance, die ich dank TRINAMO AG, dem Sozialen Dienst und meinem neuen Berater erhalten habe, hat mir sehr viel gebracht. Dieser Schritt war wichtig und genau richtig. Heute bin ich rundum zufrieden.

Die Feuerlöscher-Recycing Firma Stabrax GmbH befindet sich in der Nähe des Wohlener Standorts der TRINAMO AG (Gewerbering/Freiämterstrasse).

Perspektiven finden

INTERVIEW. Nach seinem Schlaganfall hat er im Internet gezielt nach einer Stelle gesucht, die ihm als beeinträchtigte Person den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben ermöglichen könnte. Das ist nicht einfach, wenn man lange untätig war. So ist er auf die TRINAMO AG gestossen, die ihm half, wieder Fuss in der Arbeitswelt zu fassen.

Von KV-Werkstatt (TRINAMO AG)
Andreas Villiger

Ehem. Teilnehmer der KV-Werkstatt

Was sind die Aufgabengebiete der KV-Werkstatt?

Die Bereiche, die ich kennengelernt habe, sind vielfältig: Korrekturlesen von Aufgaben der Teilnehmenden, die Steuerabteilung – in der ich hauptsächlich tätig war – sowie die «Kostbar», der Marktplatz, der Tischfussball-Shop und die Praxisfirma.

Wie sah deine Haupttätigkeit in der Steuerabteilung konkret aus?

Die Teilnehmenden erhalten von Kund*innen alle relevanten Unterlagen, um deren Steuererklärung zu erstellen. Diese kommen entweder digital oder in Papierform. Nach dem Ausfüllen wird jede Steuererklärung von mehreren Teammitgliedern geprüft, um Fehler zu vermeiden. Falls Unterlagen fehlen, werden sie nachgefordert.

Was hat dir bei der TRINAMO AG besonders Freude gemacht?

Nach meinem Schlaganfall wollte ich unbedingt wieder arbeiten und mich integrieren. Bei der TRINAMO AG konnte ich mein soziales Umfeld erweitern und habe die kollegiale Atmosphäre sehr geschätzt. Persönlich brauchte ich wenig Unterstützung, konnte aber sehen, wie andere – die sie dringend benötigten – diese erhielten und sich dadurch positiv entwickelten.

Wie wurdest du begleitet?

Die Gruppenleitung war stets erreichbar und unterstützend, die Zusammenarbeit empfand ich durchwegs positiv. Mein Vorschlag: Die Kommunikation zwischen Teilnehmenden und Coaches könnte meiner Meinung nach noch gestärkt und individueller gestaltet werden.

Gab es einen Moment, in dem du wusstest: «Ich
bin bereit für den nächsten Schritt»?

Psychisch war ich von Anfang an bereit. Schwieriger war es wegen meines Umfelds und meines
Alters. Hauptsächlich war ich hier, um wieder in den Arbeitsalltag hineinzufinden. Nach einem Jahr
ohne Beschäftigung musste ich erst wieder Routine gewinnen.

Wie lief die Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt?

Ich habe mich online beworben. Eingeschränkt war ich, weil ich mich körperlich nicht stark belasten kann und mir für manche interessanten Stellen die passende Ausbildung fehlte.

Wie hast du deine neue Stelle gefunden?

Vor allem durch persönliche Kontakte. Gleichzeitig konnte ich mir bei der TRINAMO AG die nötige Erfahrung aneignen.

Was war dein grösstes Learning bei der TRINAMO AG?
Ich habe erlebt, wie vielseitig und leistungsfähig Menschen sind – unabhängig davon, ob sie beeinträchtigt sind oder nicht. Der erste Arbeitsmarkt ist oft von gesunden Mitarbeitenden geprägt, doch bei der TRINAMO AG konnte ich sehen, wie viel Potenzial auch Menschen mit Beeinträchtigungen einbringen und entfalten können.

Neugestaltung der Abteilung Grafik & Web

In den vergangenen zwei Jahren wurde die Werkstatt Grafik & Web der TRINAMO AG umfassend umgebaut und erweitert. Entstanden ist ein moderner Arbeits- und Lernort, der optimale Bedingungen für die Mediamatik-Ausbildung und berufliche Integration bietet.

Die neue Raumstruktur schafft mehr Arbeitsplätze, zusätzliche Lernbereiche, einen Präsentationsraum, offene Workspace-Zonen und eine offene Arbeitsatmosphäre. Damit wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um den steigenden Anforderungen in den Bereichen Gestaltung, digitale Kommunikation und Medienproduktion gerecht zu werden.

Als Kompetenzzentrum für Mediamatik verbindet die Werkstatt fachliche Qualität mit sozialem Engagement. Über 20 Menschen lernen und arbeiten hier in einem angepassten Rahmen mit realen Aufträgen und klarer Ausrichtung auf den ersten Arbeitsmarkt. Fachmitarbeitende begleiten sie im Arbeitsalltag sowie in IV-gestützten Ausbildungen auf Stufe PrA und EFZ. Neben internen Kommunikationsaufträgen für die TRINAMO AG bietet die Werkstatt auch konkrete externe Dienstleistungen an, etwa das professionelle Scannen von Dias sowie Produktfotografie. Der Ausbau der Räumlichkeiten stärkt nicht nur die Infrastruktur, sondern vor allem den sozialen Auftrag.

Unsere Standorte

v.l.n.r.

Jonas Herzog (Fachstelle IV), Klaus Werlen (Finanzen&IT), Marisa Bieri (HR), Manfred Bader (Arbeit und Produktion), Daniel Ziegler (Geschäftsleiter), Ann-Kristin Schäffler (Gastronomie), Sven Vögeli (Wohnen)